Haus dämmen: Heizkosten reduzieren & Wohnklima verbessern

Schichten bei Dachdämmung

Das Haus steigert mit einer Wärmedämmung deutlich seinen Wert – sofern alles richtig gemacht wurde. Aber Vorsicht: Laienhaft ausgeführte Wärmedämmung und falsche Dämmstoffe können genau das Gegenteil bewirken.

Ein Haus zu dämmen ist aus mehreren Gründen sinnvoll. Der primäre Nutzen ist natürlich die Reduktion der Heizwärme. Korrekt ausgeführt, trägt eine gute Wärmedämmung aber auch zur Verbesserung des Wohnklimas bei. Kondensationspunkte an der Wand werden beispielsweise durch die Wärmedämmung abgeschwächt, so dass sich kein Schimmel bilden kann. Der dritte Vorteil ist, dass mit einer Dämmmaßnahme in der Regel auch eine Aufwertung der Außenfassade einhergeht.

Beachtliche Spareffekte durch Wärmedämmung

Wie viel Heizenergie sich durch eine nachhaltige Dämmmaßnahme einsparen lässt, hängt immer vom Gebäudetyp ab. Ein Gebäude aus Gasbeton-Formatsteinen ist von der Bausubstanz her schon besser wärmegedämmt als ein Haus aus Kalksand-Vollsteinen.

Als ungefähren Richtwert kann man jedoch eine Einsparung von ca. 1200 Litern Heizöl pro Jahr nach einer erfolgreichen Wärmedämmmaßnahme gemäß aktueller Norm erreichen. Beim Passivhaus-Standard liegt die Einsparung sogar bei ca. 1600 Litern Heizöl. Bei einem durchschnittlichen Preis von 70 Cent pro Liter macht das eine Einsparung zwischen 840 und 1120 Euro im Jahr.

Wichtige Kennzahlen zur Wärmedämmung

Bei der Wärmedämmung ist genaues Berechnen und Planen oberste Pflicht.

„Viel“ hilft bei der Dämmung keinesfalls „Viel“, sondern kann sogar erhebliche Probleme verursachen.

Dazu muss man das Prinzip der Dämmung zunächst verstanden haben: Der Dämmeffekt durch Aufbringen von Isolationsmaterialien geschieht nicht linear, sondern in einer logarithmischen Kurve. Die Wärmedämmleistung nimmt dabei mit jedem Zentimeter ab, bis eine bestimmte Linie erreicht wird. Diese ist dann auch mit noch so viel zusätzlicher Dämmung nicht mehr zu unterbieten.

Mit gewissen Wärmeverlusten muss man sich daher als Hausbesitzer immer abfinden. Doch bis dahin ist viel an Einsparung möglich. Das Grundmaß für die Dämmleistung eines Materials ist der „Wärmedurchgangskoeffizient„. Früher galt hier das Maß „Lambda“, heute spricht man vom „K-Wert“ oder „U-Wert“. Für jedes feste Material kann dieser Wert ermittelt werden.

Je höher der U-Wert ist, desto schlechter dämmt das Material. Besonders schlechte Wärme-Isolatoren sind beispielsweise Metalle oder blasenfreie Mineralien wie Glas, Vollbeton, Kalksand-Vollstein, Vollziegel oder dichte Natursteine.

Die Einheit für den U-Wert ist W / (m^2 × K).

Das bedeutet „Watt geteilt durch Quadratmeter mal Kelvin (Temperatureinheit)“.

Eine massive, porenfreie Stahlbetonwand von 0,25m Stärke hat beispielsweise einen U-Wert von 9. Das heißt, die Wärme wandert praktisch ungehindert hindurch. Eine solche Wand würde nicht nur hohe Heizkosten verursachen. Sie würde auch auf der Innenseite ständig Kondenswasser ansammeln und damit einer Schimmelbildung Vorschub leisten. Steinwolle hat hingegen nur einen U-Wert von ca. 0,04 W/m2K.

Dämmfähige Bereiche am Haus

Am Haus kann praktisch die gesamte Gebäudehülle mit einer Dämmung energetisch optimiert werden. Das beginnt mit der Bodenplatte, geht über die Keller- und die Außenwände samt Fenstern und endet erst am Dach. Darüber hinaus ist auch das Dämmen von Heizungs- und Warmwasser-Rohrleitungen sinnvoll. Dennoch sollte man sich im Vorfeld Gedanken über sinnvolle Wärmedämmaßnahmen machen:

Dämmung der Bodenplatte

Wurde dem Haus keine Dämmung vor dem Gießen der Bodenplatte eingebaut, ist ein Aufreißen und Einfügen einer solchen Dämmung nicht sinnvoll. Meistens ist es technisch auch überhaupt nicht möglich. Hier gibt es heute sehr wirkungsvolle Dämmmaterialien, die auf dem Kellerboden ausgelegt werden können. Jedoch sollte hier zunächst der Nutzen geprüft werden. Wenn der Keller nur als Abstellraum verwendet wird, ist eine aufwändige Dämmung in der Regel nicht erforderlich.

Dämmung der Außenwand

Die Außenwand ist Verursacher Nr. 1 bei Wärmeverlusten. Wenn eine Dämmmaßnahme durchgeführt werden soll, dann ist eine sinnvolle Verkleidung der Fassade immer mit dabei. Dazu gehört auch die Erneuerung der Fenster. Doppelt verglaste Fenster sind dabei heute der absolute Mindeststandard. Üblich sind bei Sanierungsmaßnahmen heute aber bereits die dreifach verglasten Fenster.

Dach dämmen: Nur bei Nutzung als Wohnraum

Dach dämmen
Quelle: ungvar / bigstock.com

Wie beim Keller, geht der Dachdämmung stets die Überlegung nach den sinnvollen Maßnahmen voraus. Wenn das Dach nicht als Wohnraum genutzt werden soll, kann man sich die teure Auf-, Zwischen- oder Untersparrendämmung sparen. Eine einfache Dämmung des Dachbodens ist hier viel schneller und preiswerter durchgeführt. Wenn das Dach aber als Wohnraum genutzt werden soll, stehen die drei benannten Wege zur Wärmedämmung offen.

Nicht vergessen sollte man schließlich auch die Dämmung aller Heizungsrohre und Warmwasser-Leitungen. Die Einspareffekte können hierbei enorm sein.

Langfristiger Spareffekt

Eine Wärmedämmung amortisiert über die Einsparung der Heizkosten noch nicht im ersten Jahr. Dennoch hat man als Immobilienbesitzer mit dem Aushändigen des neuen Energie-Ausweises schon sehr viel Kapital zurück in die Kasse gespült: Das Haus gewinnt deutlich an Wert und lässt sich viel leichter und zu einem höheren Preis verkaufen. Mit dem passenden Wertgutachten versehen, ist das Beleihen des Hauses auch wesentlich günstiger und eröffnet einen größeren finanziellen Spielraum.

Nur auf die Einsparung der Wärmedämmung herunter gerechnet, kann man von folgenden Spareffekten ausgehen:

Pro Jahr lässt sich an einem Einfamilienhaus durch eine durchschnittliche Wärmedämmung eine Einsparung von ca. 900 Euro im Jahr erzielen.
Dem stehen folgende Kosten für die Wärmedämmung gegenüber:

Fassade: 90 – 120 Euro pro Quadratmeter im WDVS
Dach: 120 – 200 Euro pro Quadratmeter

Bei einer durchschnittlichen Größe der Fassade von einem Einfamilienhaus von 180 Quadratmetern kommen so ca. 18.000 Euro für die Dämmung zusammen. Für das Dach muss man nochmal mit ca. 15.000 Euro rechnen. Das macht ca. 33.000 Euro für die gesamte Maßnahme. Rein rechnerisch braucht eine Amortisierung über die Einsparung von Heizenergie damit ca. 36 Jahre. Es ist verständlich, dass dies auf den ersten Blick als wenig reizvoll erscheint. Doch man muss genauer hinsehen: Die energetische Sanierung eines Hauses wird vom Staat massiv gefördert.

Korrekt gedämmt ist satt gefördert

Unter Einhaltung aller gesetzlichen Anordnungen ist eine Förderung von bis zu 40% möglich. Darüber hinaus sind für die Dämmmaßnahmen besonders günstige Kredite verfügbar. Außerdem gibt es eine 100% Förderung für die Energieberatung. Das Hinzuziehen eines professionellen Energieberaters ist sehr empfohlen. Dieser kennt sich nicht nur bei allen aktuellen Gesetze, Richtlinien und Fördermöglichkeiten aus. Auch kann er sehr gezielt bei der Auswahl der Materialien beraten.

So ist beispielsweise das früher so beliebte Styropor inzwischen sehr unbeliebt geworden, da es große ökologische Bedenken und eine hohe Brandgefahr mit sich bringt. Der Energieberater kann für jedes Gebäude ein passendes Sanierungskonzept erstellen, mit dem die optimale Dämmwirkung erzielt wird.

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Andreas Treufelsberger
Andreas Treufelsberger ist 41 Jahre jung ;-) und überzeugter Handwerker. Vor 17 Jahren hat er seinen Traum erfüllt und einen Meisterbrief zum Heizungsbauer und Energieberater erhalten. Seitdem ist er bemüht sein Wissen im Job als auch im Internet weiterzugeben. Heizsysteme sowie auch moderner Umweltschutz beim Hausbau faszinieren ihn schon immer. In seiner Freizeit befasst er sich mit Sport, gesundem Lebensstil und schreibt Artikel auf Onlineportalen wie heizungshelden.com und der taz.